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Die historische
Vorsicht, bremst kurz – auch

Nach mehrjähriger Vorbereitung fuhren am 20. Mai 1969 zum ersten Mal Tatra-Triebwagen des Typs T4D im Fahrgastbetrieb auf Magdeburger Straßenbahngleisen. 40 Jahre später war dieses Ereignis den Magdeburger Verkehrsbetrieben MVB und dem Verein IGNah e.V. Anlass genug, mit einer Fahrzeugausstellung und Sonderfahrten »wie 1969« an den Beginn der Tatra-Ära zu erinnern. Die VVB Schienenfahrzeuge (VVB – Vereinigung Volkseigener Betriebe, Vorläufer der späteren Kombinate) und die Staatliche Plankommission der DDR strebten zu Beginn der 1960er Jahre eine Verlagerung der Straßenbahnproduktion in die CSSR an, um die Produktionskapazitäten in Gotha für eine Ausweitung der exportorientierten Kühlwagenproduktion zu gewinnen.

Lesen Sie hier,
wie wir einen echten
Tatra-Triebwagen aus Prag
nach Magdeburg holten!

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IMPRESSUM

Unser Verein
betreut im Auftrag
der Magdeburger Verkehrsbetriebe
die historische Fahrzeugsammlung
im Museumsdepot Sudenburg

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Die Prager Straßenbahnbauer im Tatra-Werk Smichov hatten sich seit den 1950-er Jahren der amerikanischen PCC-Technik zugewandt. Im Vergleich zur herkömmlichen Schaltwerktechnik wiesen die PCC-Fahrzeuge eine verbesserte Fahrdynamik auf. Schnelleres Anfahren, höhere Geschwindigkeiten, kürzere Bremswege und Zugbildungen aus mehreren Triebwagen – das war die Lösung für den anspruchsvollen Großstadtverkehr der Zukunft! Ende 1964 nahm zuerst in Dresden diese Vision konkrete Formen an: Drei Prager Wagen des Typs T3 kamen in die Stadt und konnten mehrere Monate lang einer intensiven Erprobung unterzogen werden. Im März 1965 reisten einige Vertreter der Magdeburger Verkehrsbetriebe nach Dresden, um den T3 persönlich in Augenschein zu nehmen.

Mitte 1965 stand im DDR-Ministerium für Verkehrswesen fest, dass das nunmehr zum Kombinat ČKD gehörende Tatra-Werk Prag ab 1967 Straßenbahnen für die DDR bauen wird. Propagandistisch wurde der Vertrag zum leuchtenden Beispiel der sozialistischen Arbeitsteilung im RGW umgearbeitet. Eine Legende, die bis heute hartnäckig weiterlebt.

Im Juni 1966 war auch für Magdeburg die Entscheidung zugunsten der Tatra-Straßenbahn gefallen: Der Typ T4D, eine an die DDR-Verhältnisse angepasste T3-Weiterentwicklung, wird die Straßenbahn der Zukunft sein! Die Veränderungen beim T4D betrafen vor allem eine Verringerung der Wagenbreite von 2,50 m auf 2,20 m, den schaffnerlosen Betrieb und die Option des Beiwagenbetriebs. Die ersten Bahnen sollten 1968 rollen. Doch die politischen Ereignisse um die Niederschlagung der »Prager Frühling« genannten Revolution in der CSSR verzögerten die Auslieferung der ersten Serie – bestehend aus 8 Triebwagen – bis 1969. Am 3. April 1969, in der Woche vor Ostern, trafen die ersten beiden Triebwagen per Eisenbahn in Magdeburg ein und wurden wie die folgenden sechs Fahrzeuge von der Verladerampe neben dem Gleisbauhof Lange Lake im Industriegelände zur Komplettierung in die Hauptwerkstatt Brückfeld überführt. Schon am 19. April 1969 fand eine öffentliche Fahrzeugschau auf dem Alten Markt statt.

Am besagten 20. April 1969, einem Sonntag, begann dann auch der fahrplanmäßige Linieneinsatz auf der 3. Groß war die Überraschung bei Fahrgästen und Autofahrern! Diese wurden immerhin mit einem am Heck angebrachten Schild »Vorsicht! Bremst kurz!« gewarnt. Doch das hinlänglich bekannte Schild im Wageninnern »Festhalten, besonders beim Durchfahren von Kurven« nahm niemand mehr so recht ernst. Es erhielt nun eine völlig neue Bedeutung ob der bis dahin unbekannten Dynamik der Triebwagen beim Anfahren und Bremsen. Halteschlaufen wie in den alten Straßenbahnen gab es nicht, und die unter der Decke verlaufende Haltestange rechtzeitig zu ergreifen schaffte nicht jeder Fahrgast. Das gab ein großes Hallo während der Fahrt! Und dennoch war die Begeisterung der Magdeburger so groß, dass es anfänglich schier unmöglich war, in einen der als Solowagen zwischen Diesdorf und Leipziger Chaussee verkehrenden Tatra-Wagen hineinzugelangen.

Am 18. April 2009 fuhren, begleitet vom Blitzlichtgewitter zahlreicher Fotofans, 3 Fahrzeuge in das Stumpfgleis in der Hartstraße: Der historische Gotha-Triebwagen 413, der historische T4D-Tatra-Wagen 1001 und der noch im Linieneinsatz stehende T6A2-Triebwagen 1276.

Der Gotha-Wagen des Typs T2-62 stand hier stellvertretend für die Fahrzeuge herkömmlicher Bauart, die durch die Tatra-Wagen ab 1969 sukzessive ersetzt wurden. Ab 3. Juni 1978 fuhren die MVB in Magdeburg typenrein mit Tatra-Zügen, übrigens als erster Verkehrsbetrieb in der DDR. Im Dezember 1989, also vor 20 Jahren, sollten dann die ersten T6A2-Wagen die Ablösung der T4D und B4D einleiten. Der ausgestellte Tw 1276 gehört zur ersten Lieferung von 6 Triebwagen.

Nach der Fahrzeugausstellung waren ab 13 Uhr Sonderfahrten geplant. Und hier haben die Magdeburger Verkehrsbetriebe für eine besondere Überraschung gesorgt: Durch großzügige Unterstützung war es möglich, den T4D-Tw 1120 technisch aufzuarbeiten und im Erscheinungsbild so herzurichten, dass zusammen mit den historischen Wagen Tw 1001 und Bw 2002 die Bildung eines Großzuges möglich wird!

Der Tw 1120 wurde 1975 gebaut und erhielt in den 1990-er Jahren eine Teilmodernisierung. Im Oktober 1986 war er übrigens der erste Tatra-Wagen, der mit Reklametafeln ausgestattet wurde. Wenn auch für Tatra-Puristen der Tw 1120 in seinem Erscheinungsbild geschichtlich nicht klar einzuordnen ist, zählt für die Mitglieder des Vereins IGNah der optische Gesamteindruck, und der ist geradezu perfekt! Vor allem sind sie glücklich, den Triebwagen als Leihgabe der MVB vielfältig bei Sonderfahrten einsetzen zu können.

Zunächst fuhren Tw 1001 als Solowagen Richtung Leipziger Chaussee und Tw 1120 mit Bw 2002 als »Hängerzug« nach Diesdorf. Die Stadtführerin Nadja Gröschner, im perfekten Outfit der 1970-er Jahre gewandet, erzählte während der Fahrt Interessantes zur Straßenbahn- und Stadtgeschichte. Hans-Joachim Oehme, Abteilungsleiter Technik bei den MVB, informierte über die zukünftige Streckenverlängerung in das Wohngebiet Reform.

Am Ende der beiden Runden über die komplette Linie 3 kuppelten alle drei Wagen am Hauptbahnhof zum Großzug. Begleitet wurde das Spektakel stilgerecht von einer »Verkehrsaufsicht« in einem Barkas B1000. Alles erschien derart echt, dass sich einige an der Haltestelle auf den Linienzug Wartende über die vermeintliche Betriebsstörung erregten! Mit dem Tatra-Großzug fuhren dann die Fahrgäste nebst fotografierender Begleitkarawane in das Museumsdepot Sudenburg, wo das Sonderfahrtprogramm endete.

Ralf Kozica

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