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IGNah
INTERESSENGEMEINSCHAFT
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Die historische
Mit jedem Abschied fängt etwas

In Magdeburg gehört die Ära der Tatra-Straßenbahnen seit 27. Januar 2013 zu den abgeschlossenen Kapiteln der Straßenbahngeschichte. Fast 44 Jahre lang fuhren Tatra-Wagen im täglichen Linienverkehr. Und ihre Einsatzzeit endete so, wie sie einst am 19. April 1969 begonnen hatte: Mit einem Linienverkehr auf der »3«.

Nach Aussage der Meteorologen fand der Abschied von den Tatra-Wagen in einem Winter statt, der seit 62 Jahren der sonnenärmste war. Und in der Tat war die Veranstaltung am 27. Januar 2013 hinsichtlich der Lichtverhältnisse für die Fotofans eine echte Herausforderung.

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Unser Verein
betreut im Auftrag
der Magdeburger Verkehrsbetriebe
die historische Fahrzeugsammlung
im Museumsdepot Sudenburg

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Tatra-Wagen symbolisierten den Aufbruch

Doch mit den Tatra-Wagen sind noch weitere Superlative verbunden. Die Tatra-Typen T4D und B4D stellen zahlenmäßig die größte je nach Magdeburg gelieferte Fahrzeugbauart dar. 274 Triebwagen und 142 Beiwagen lieferte die Prager Straßenbahnfabrik CKD Prag-Smichov zwischen 1969 und 1986. Die Typen T6A2 und B6A2 hingegen gehörten mit 12 Triebwagen und 6 Beiwagen in Magdeburg eher zu einer Splittergattung. Immerhin markierten die T6 und B6 im Jahr 1990 das Ende von Kooperation und Arbeitsteilung der unter dem Dach des RGW, des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe, verbündeten sozialistischen Bruderstaaten. 1969 kündeten die Tatra-Wagen der Typen T4D und B4D vom Aufbruch in eine neue Zeit. Denn mit ihrer Inbetriebnahme verschwand Stück für Stück die »gute, alte Straßenbahnzeit« nicht nur aus Magdeburg, sondern auch aus Dresden, Leipzig, Halle sowie mit den Original-Typen T3D und B3D auch aus Schwerin und Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). Veraltete Straßenbahnbetriebe wandelten sich zu leistungsfähigen Nahverkehrsunternehmen, wenngleich ihre Beschäftigten auch stets mit den Mangelerscheinungen der Planwirtschaft zu kämpfen hatten.

In Magdeburg fuhr man seit 1978 typenrein mit Tatra-Wagen. Den Magdeburger Verkehrsbetrieben war dies als erstem Verkehrsbetrieb in der DDR gelungen. Bis Mitte der 1970-er Jahre ermöglichten die Lieferungen der Tatra-Wagen den Austausch der Altbau-Fahrzeuge gegen neue Wagen. Fortwährende Lieferungen bis 1986 waren dann die Voraussetzung zur Erschließung neuer Wohn- und Industriegebiete mit den großen Liniennetzerweiterungen in den 1970-er und 1980-er Jahren: 1975 von der Neuen Neustadt in das Wohngebiet Neustädter See, 1979 von Rothensee entlang neu entstandener Industriebetriebe zum Barleber See und 1984 vom Olvenstedter Platz in die Großsiedlung Neu-Olvenstedt. Hinzu kamen neue Linien im vorhandenen Netz, mit denen Taktverdichtungen auf stark nachgefragten Relationen realisiert wurden. 1985 verkehrten 13 Linien, zu dieser Zeit hatten die MVB Magdeburger Verkehrsbetriebe als Höchstbestand 261 Trieb- und 135 Beiwagen des Typs T4D/B4D im Einsatz!

 

Eine andere Bauart erwies sich als noch langlebiger

Man könnte vermuten, dass die Tatra-Wagen-Bauart T4D/B4D auch diejenige ist, welche die längste Einsatzzeit in Magdeburg vorweisen kann. Das ist jedoch nicht der Fall. Denn noch langlebiger erwies sich die sogenannte »Standardwagen«-Bauart. Sie wurde aus einem Typ weiterentwickelt, den die Waggonfabrik Schöndorff ursprünglich nach Krefeld ablieferte. Ab 1925 produzierten verschiedene Waggonfabriken das Fahrzeug mit seiner eigentümlichen Fensterteilung für Magdeburg. Diese Bauart (mit zwei Unterbauarten) umfasste Insgesamt 90 Trieb- und 30 Beiwagen. 51 Jahre nach Auslieferung des ersten Fahrzeugs verabschiedete sich der Triebwagen 124 als einer der letzten Vertreter seiner Bauart aus dem Linienverkehr auf der »10«. Heute gehört er als Museumstriebwagen zur Flotte der historischen Fahrzeuge. Gebaut 1928 von Christoph & Unmack in Niesky war er bis 1976 im Einsatz. 48 Arbeitsjahren folgten somit bis heute 37 wechselvolle Jahre als »Traditionswagen«.

 

Ehrenvolle Verabschiedung der Tatra-Wagen

1976 hielt es noch niemand für nötig, den Blick in die Zukunft mit einem Abschied von den Altbauwagen zu verknüpfen. Den Tatra-Wagen wurde in der 136-jährigen Magdeburger Straßenbahngeschichte als erster Bauart überhaupt die Ehre zuteil, würdig mit Klavierbegleitung und einer Träne im Knopfloch in den Ruhestand verabschiedet zu werden.

Den Veranstaltungstitel »Mit jedem Abschied fängt etwas an« wählten die Magdeburger Verkehrsbetriebe und der Verein IGNah ganz bewusst. Am letzten Einsatztag fuhren Tatra-Wagen zum ersten und zum letzten Mal im Linienverkehr über die Neubaustrecke nach Reform. Zeitgleich mit der Abstellung der Tatra-Wagen vollzog sich in den letzten Jahren auch ein Generationswechsel bei den Kolleginnen und Kollegen des Verkehrsbetriebes. Etliche Führungskräfte, deren Berufsleben von den Tatra-Wagen geprägt wurde, übertrugen ihre Aufgabengebiete an jüngere Kolleginnen und Kollegen. Auch im Fahrbetrieb erleben die Fahrgäste heute viele junge Leute am Steuer der Niederflurgelenktriebwagen. Und ein ganz besonderer Superlativ muss noch genannt werden: Seit 16. April 2012 lenkt mit der Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel erstmals eine Frau die Geschicke der Magdeburger Verkehrsbetriebe.

 

Breite Unterstützung durch die MVB-Beschäftigten

Dass die Idee, den Tatra-Wagen eine festliche Verabschiedung auszurichten, eine gute Idee war, zeigte sich in der Unterstützung, welche der Verein IGNah von den Kolleginnen und Kollegen der MVB Magdeburger Verkehrsbetriebe erfuhr. Ursprünglich war vorgesehen, den historischen Großzug Tw 1001 + Tw 1120 + Bw 2002, die Doppeltraktion Tw 1272 + Tw 1248 sowie drei T6/B6-Züge im Linienbetrieb auf der »3« einzusetzen. Doch dann hatten einige MVB-Kollegen die Idee, die Doppeltraktion Tw 1244 + Tw 1245, die im Betriebshof Nord als sogenannte »Freifahrtraktion« für das Enteisen der Oberleitungen und Freifahren verschneiter Gleise im Winterdienst hinterstellt ist, noch einmal für den Fahrbetrieb zu reaktivieren. Sie rüsteten die beide Fahrzeuge wieder mit Fahrscheinentwertern aus und versahen den Bordcomputer mit einem Update für den Einsatz auf der neuen Strecke nach Reform! Eine gründliche Innen- und Außenreinigung ermöglichte beiden Wagen, sich noch einmal von ihrer besten Seite zu zeigen.

Dank des von den MVB-Fahrplanern entworfenen Sonderfahrplans für diesen einen Tag fuhren die Tatra-Wagen von Olvenstedt bis nach Reform, denn normalerweise verkehrt die Linie 3 nur zwischen Klinikum Olvenstedt und der alten Endstelle Leipziger Chaussee.

 

Nicht zuletzt ist der Initiative der MVB-Kolleginnen und –Kollegen zu verdanken, dass auch der Fahrschulwagen Tw 774 zu Publikumsfahrten unterwegs war. Der Triebwagen 774 ist als ehemaliger Tw 1274 übrigens der letzte T4D, der 1986 nach Magdeburg kam. Anlässlich der Tatra-Verabschiedung waren somit die ältesten und die jüngsten Vertreter der T4D-Bauart zu sehen: Tw 1001 stammt aus der ersten Lieferserie von 1969, Tw 1272 und der Fahrschul-Tw 774 gehören zur letzten T4D-Lieferung von 1986.

 

 

(Ralf Kozica, Februar 2013)

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